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Was haben Leonardo Da Vinci, Mozart und Bill Clinton mit dir gemeinsam?

Veröffentlicht am 04.11.2015 von Marcel Hirsch

Tipps für chronische Prokrastinierer (“Aufschieber”)

Wer gerade an seiner Bachelorarbeit sitzt, weiß wie interessant auf einmal Youtube Blogs, Let’s Plays, oder die lustigsten Katzenposen des Tages sein können. Sei es eine Hausaufgabe, der überfällige Termin beim Zahnarzt, oder das Kaufen eines Weihnachtsgeschenkes: Jeder – auch der Schreibende dieses Blogs prokrastiniert mal und auch berühmte und erfolgreiche Persönlichkeiten haben den Hang zum Aufschieben von wichtigen Aufgaben.

Bill Clinton, der ehemalige US-Präsident wurde 1994 vom “Time Magazine” als chronischer Prokrastinator abgetan. Obwohl er von seinen Wahlhelfern stets Wochen oder sogar Monate bekam um deren Entwürfe für seine wichtigsten Reden abzusegnen, wurden es dann doch Last-Minute-Stressorgien diese zu finalisieren.

Leonardo da Vinci, der Universalwissenschaftler und Genie der Renaissance ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Du kennst sicherlich sein bekanntestes Werk, die Mona Lisa, und vielleicht auch das ideale Maß auf der italienischen Euromünze und seine Skizzen für Hubschrauber und U-Boote. Aber wusstest du auch, dass er jeder kleinsten Ablenkung verfiel: Für die Mona Lisa hat er sage und schreibe 16 Jahre gebraucht. Für ihn war das Aufschieben immer eine Last: selbst im Sterbebett bereute er es niemals ein einzelnes Werk „vollendet“ zu haben.

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb zwar im Laufe seines kurzen Lebens über 600 Werke, seine Overtüre (quasi das Intro) zu „Don Giovanni“ stellte er allerdings erst am Abend vor der Uraufführung fertig. Das Orchester musste bei der Premiere „blind“ spielen, ohne das Stück vorher geübt zu haben. Trotz allem ist Don Giovanni ist heute eine der beliebtesten und meistgespielten Opern überhaupt.

Prokrastination ist völlig normal

Laut wissenschaftlichen Studien prokrastinieren rund 80-95% aller Studierenden – Tendenz steigend. (Ellis & Knaus, 1977; O’Brien, 2002) Und wenn man mal ehrlich ist: wer kann es uns bei der heutigen, immer mehr werdenden Datenflut verübeln sich ablenken zu lassen. Gerade daher gilt es viel weniger die Prokrastination zu eliminieren sondern sie zu kontrollieren – und das kannnst du am besten, indem du dich über deren Ursachen klar wirst: Es gibt laut Wissenschaft (Rothblum 1984) zwei davon: Zum Einen die „Angst zu versagen“, zum Anderen die „Aversivität zur Arbeit“. Wie funktionieren beide und wie wird man ihrer mächtig?

Die „Angst zu versagen“ stammt von der eigenen Vorstellung vom worst case – „Was wenn meine Bachelorarbeit so schlecht ist, dass der Betreuer mich durchfallen lässt?“ Dabei ist diese Angst gar nicht negativ zu sehen, sie ist eigentlich wichtiger Mechanismus. Sie schützt uns davor schlechte Arbeit abzuliefern. Um sich diesen Mechanismus zu Nutze zu machen hilft es die Frage umzustellen: Wie schreibe ich meine Arbeit so, dass mich der Professor gar nicht durchfallen lassen kann. Damit schlüpfst du in den Kopf deines Betreuers und kannst die Qualität deiner Arbeit steigern. Du darfst auch nicht vergessen, dass der Druck oft imaginär ist. Der Betreuer ist in aller Regel auf deiner Seite. Wenn du dir irgendwo nicht sicher bist, ist es eine gute Strategie mit dem Entwurf loszulegen und schließlich es dem Betreuer mit der Bitte um Feedback zu schicken. Das ist nicht nur völlig legitim, es macht ebenso einen engagierten und positiven Eindruck.

„Aversivität zur Arbeit“ – das Empfinden, dass mache Aufgaben angenehmer und spaßiger sind als andere. „Die Datenerhebung war spaßig, aber alles zu verschriftlichen, darauf hab ich keine Lust, das dauert ewig“ Unser Kopf mag Aufgaben besonders gerne, bei denen ein Weiterkommen klar ersichtlich ist – nicht umsonst sind heutzutage Videospiele voll von Achievements und bunten Belohnungspopups. Diese Denkweise kommt daher, dass unser Kopf uns vor wenig erfolgsversprechender Arbeit schützen will. Auch hier kannst du dein Gehirn austricksen: Brech die Tätigkeit auf kleinere Unteraufgaben runter, schreibe sie auf und hake sie ab. Zur Motivation hilft auch, bei einer monotoneren Aufgabe Musik zu hören, oder eine Belohnung einzuplanen wenn die unliebsame Aufgabe erledigt wurde.

Wenn man einfach mal abdriftet

Auch wenn du dir über allgemeine Ursachen und deren Vermeidung bewusst bist – Es kann immer passieren, dass du beim Schreiben deiner Bachelorarbeit abdriftest. Diese Tipps helfen dir die Kontrolle zurückzuerlangen:

  • Bei mir hat sich sehr gut bewährt: Einfach mit zwei Aufgaben gleichzeitig anzufangen und die
    eine Sache mit der Anderen „aufschieben“. Besonders gut klappt das mit zwei Aufgaben die unterschiedliches Denken erfordern. Beispielsweise: Gleichzeitig seine Bachelorarbeit schreiben (Logisches Denken) und eine Geschenk aussuchen (Kreatives Denken).
  • Wenn du eher ein extrovertierter Typ bist: Setz dich mit anderen hin, die auch gerade an ihrer Bachelorarbeit schreiben. Es wird dich motivieren, denn du siehst , dass du mit deiner Herausforderung nicht alleine dastehst. Außerdem hat man ein nettes Gesprächsthema zum Auskotzen ;).
  • Denke an positive Erlebnisse aus deinem Leben: Wann hast du das letzte mal eine schwierige
    Herausforderung gemeistert? Was war dein schönster Urlaub? Was hast du aufregendes mit deinen Freunden, oder deiner Familie erlebt? Versuche dich darauf einige Minuten zu konzentrieren und du wirst merken wie du neue Power für deine Arbeit bekommst.
  • Kurz (!) aufschreiben was du noch vor hast zu machen und ein klares und realistisches Tagesziel setzen, das du erreichen willst. Beispiele: Ich will heute Kapitel XY schaffen, ich will 100 Wörter schreiben, ich will Statistik YZ fertigstellen.
  • Handy ausschalten, aus dem Internet gehen: Die radikalste Lösung für Smartphone- und Internet-Junkies, empfehle ich dir (auf Dauer) nicht, da es dich auf längere sicht von der Aussenwelt abkapseln würde – als letztes Mittel für die Erledigung wichtiger Aufgaben hilft es aber.

“Mach es fertig, bevor es dich fertig macht”

Dieser Satz einer Baumarktkette fasst treffend zusammen, was dir jetzt klar sein sollte: Prokrastination entsteht aus völlig natürlichen, menschlichen Instinkten und ist nicht nur dir angeboren.

Also hör jetzt auf diesen Artikel zu lesen und ran an den Speck!