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6 geheime Rechtschreib-Tipps für deine Bachelorarbeit

Veröffentlicht am 02.11.2015 von Marcel Hirsch

Rechtschreibung und Grammatik – das Thema klingt ziemlich unsexy. Nach staubigen Büchern und grauhaarigen Professoren mit Lesebrille. Erinnerungen an Diktate und Rotstifte kommen auf. Doch betrachte es einmal von der anderen Seite: Wenn deine Bachelorarbeit genau zwischen zwei Noten steht, worauf wird der Professor dann achten? Richtig, auf die äußere Form. Das sind nun einmal neben sauberer Bindung und ordentlicher Formatierung Rechtschreibung und Grammatik. Ein fehlerfreier Text zeigt, dass du mit größter Sorgfalt gearbeitet hast. Bis zum Ende alles gegeben hast. Es ist ein Qualitätsmerkmal. – Oder würdest du einem Autohersteller vertrauen, dessen Werbung vor Fehlern strotzt?

Eben! Darum stellen wir dir nun einige Regeln vor, die fast alle Studenten falsch machen – außer dir natürlich.

1. Binde- vs. Gedankenstrich

Als Merkhilfe kannst du die Namen der beiden Striche nehmen: Während der Bindestrich (-) Wörter verbindet, die zusammengehören, fügt der Gedankenstrich (–) einen neuen Gedanken ein.

Die wichtigsten Anwendungen des Bindestrichs:

  • Als (verbindender) Trennstrich: Die Zeile ist zu Ende, das Wort noch nicht. In solchen Fäl-
    len verbindet der Bindestrich.
  • Als Ergänzungsstrich: Vor- und Nachteile, Blut- und Mettwurst, Literatur- und Quellenverzeichnis
  • Als Bindestrich bei zusammengesetzten Wörtern: Aluminium-Legierung, der 20-jährige Student. Kurz: Was eine Sache ist, wird auch verbunden (oder zusammengeschrieben). Eine Sache / ein Mensch, ein Wort.

Profitipp:
Wenn mehrere Elemente zusammengemischt werden, gibt es zwei Schreibweisen. Während im Tomaten-Salami-Salat Tomaten und Salami gleichberechtigt und gleich wichtig sind, sind die Tomaten im Tomaten-Salamisalat nur Beiwerk (weil „Salami“ viel enger am „Salat“ steht als an den „Tomaten“).

Bei der Verbindung von Eigennamen oder Begriffen mit einem weiteren Wort: Auch wenn es vorher als zwei Wörter geschrieben wird, etwa bei Adjektiven oder Eigennamen – wird es durch ein zusätzliches Wort zu einem neuen Begriff, werden alle Wörter miteinander verbunden, denn jetzt sind sie ja eins.

  • Eigenname: Helmut Kohl, aber Helmut-Kohl-Stiftung
  • Marke: Adidas, aber Adidas-Schuhe
  • Adjektive: Sankt Georg, aber Sankt-Georg-Kirche
  • englische Begriffe: Low budget, aber Low-budget-Produktion

Für bessere Lesbarkeit: Bei zusammengesetzten Wörtern kann die Lesbarkeit leiden. Bestes Beispiel ist der Urinstinkt. In solchen Fällen kann man die Lesbarkeit durch einen Bindestrich verbessern: Ur-Instinkt, Tee-Empfehlung, Druck-Erzeugnis/Drucker-Zeugnis

Die wichtigsten Anwendungen des Gedankenstrichs:

  • Einschub: Wird ein Gedanke – sei er mehr oder weniger sinnvoll – eingeschoben, trennt man ihn durch einen Gedankenstrich vom restlichen Satz ab.
  • Als „Bis“-Ersatz: 2012–2015, die Zugstrecke Hannover–Nürnberg.

Profitipp:
Wenn du den Bindestrich als „bis“ nimmst, kommt auch kein „von“ davor. Also entweder „von 2012 bis 2015“ oder „2012–2015“.

  • Als Aufzählungszeichen: Werden Striche als Aufzählungszeichen genutzt, sollten sie Gedankenstriche sein. Word zum Beispiel macht das nicht automatisch. Hier heißt es, das einmalig händisch vorzugeben.
  • Als Minuszeichen: Bei –15° lassen sich selbst einfache Rechenaufgaben wie 5 – 2 = 3 nur schlecht lösen.

Wo ist denn der Gedankenstrich auf meiner Tastatur?
Während der Bindestrich bei Mac und Windows direkt auf der Tastatur zu finden ist, ist der Gedankenstrich weniger einfach in Texte einzubringen. Diverse Textprogramme erkennen die Kombination „Leerzeichen–Bindestrich–Leerzeichen“ und machen aus dem falschen Bindestrich den hier richtigen Gedankenstrich. Wer in einem Programm schreibt, das das nicht kann, der kopiert sich den Strich entweder aus einem anderen Text (man kann z.B. die Seite „Bindestrich“ des Dudens als Bookmark nehmen). Oder man fügt den Strich per Shortcut ein: auf dem Mac per alt + Minus-Taste, bei Windows, indem man bei gedrückter Alt-Taste die Ziffern 0150 eingibt.

2. Kommaregeln

Spätestens seit der Satz „Komm wir essen Opa“ im Internet kursiert, dürfte die Wichtigkeit von Kommas für ein gutes Textverständnis klar sein. Darum stellen wir dir hier einige Kommaregeln vor, die besonders häufig missachtet werden.

  • Infinitiv mit „zu“ ohne weitere Wörter: Hier kommt nie ein Komma.
    Es ist schön zu lachen.
  • Infinitiv mit „zu“ und weiteren Wörtern: Hier muss kein Komma gesetzt werden, darf jedoch (und erhöht die Lesbarkeit).
    Ich finde es schön(,) mal wieder auszuschlafen.
    Ausnahme: Wäre der Satz sonst missverständlich, dann muss ein Komma gesetzt werden.
    Sie befahl, uns zu feuern – Sie befahl uns, zu feuern
  • Vor „um zu“ / „ohne zu“ kommt immer ein Komma. Er kam, um zu bleiben. Er ging, ohne das Fenster zu schließen.
  • Vor „und“ steht in Aufzählungen kein Komma. Ausnahme: Wenn ein Nebensatz eingeschoben wird, wird an dessen Anfang und Ende jeweils ein Komma gesetzt. Der Mann, der nebenan wohnt, und der Postbote …
  • Vor „sowie“ kommt kein Komma. „Sowie“ ist ein Synonym für „und“ – und ersetzt somit ein Komma.

3. Schrägstrich („Slash“)

Der Schrägstrich wird zur Trennung mehrerer Optionen, zur Darstellung von Zusammengehörigkeiten und bei Größenverhältnissen genutzt: Esst mehr Obst/Gemüse, CDU/CSU, 10 Einwohner/km²
Alle Beispiele des Dudens haben kein Leerzeichen vor oder nach dem Schrägstrich. Typografen, die sich beruflich mit der bestmöglichen Lesbarkeit von Texten beschäftigen, empfehlen allerdings eine Ausnahme: Wenn vor und/oder hinter dem Schrägstrich mehrere zusammengehörige Wörter stehen, erhöhen Leerzeichen die Lesbarkeit. Statt „Deutscher Bundestag/Hohes Haus“ könnte man „Deutscher Bundestag / Hohes Haus“ schreiben. Profis setzen vor und hinter den Schrägstrich kein ganzes Leerzeichen, sondern einen kleineren Abstand (Achtelgeviert).

4. dass vs. das

Sie sehen sich sehr ähnlich, doch ihre Anwendung ist grundverschieden.
dass: Dieses Wort bezieht sich auf ein vorangegangenes Verb. Wusstest du, dass es ganz einfach ist?
das: Dieses Wort bezieht sich auf ein vorangehendes Hauptwort. Es könnte auch durch „dieses“, „jenes“ oder „welches“ ersetzt werden. Das Haus, das wir uns angesehen haben, ist rot.
Alternativ kann es sich auch auf einen bereits genannten Sachverhalt beziehen: Das ist eine gute Idee.

5. seit vs. seid

  • seit: Bei seit geht’s um Zeit (Eselsbrücke!). Seit 10 Jahren …
  • seid: Dieses Wort kommt vom Verb „sein“. Ich bin, du bist, ihr seid.

6. Wörter und Formulierungen, die einfach immer wieder falsch geschrieben werden – hier in der richtigen Schreibweise:

  • Standard – mit D am Ende.
  • Galerie – im Englischen mag gallery zwei L haben, im Deutschen jedoch nicht.
  • AGB – das „B“ steht schon für Bedingungen, somit ist die Abkürzung bereits im Plural und braucht kein angehängtes s.
  • E-Mail/E-Mail-Adresse: Auch hier lassen wir uns zu häufig vom Englischen in die Irre führen – doch Email(le) ist ein Material und gehört in die Badewanne, nicht in Texte.
  • Wer „sowohl“ sagt, muss auch „als auch“ sagen. Wer „entweder“ sagt, muss auch „oder“ sagen. Bitte diese Begriffe nicht mischen oder den zweiten Teil ganz vergessen – dann liest es sich nicht schön, weil man auf etwas wartet, was nicht mehr kommt.

Wir hoffen, dieser Artikel hat dich für die Feinheiten von Grammatik und Rechtschreibung begeistert, und wünschen dir eine fehlerfreie Bachelorarbeit! Gibt es vielleicht noch andere typische Stolpersteine? Verrat sie uns in den Kommentaren!

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